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Rückblick zum ConventionCamp 2009

Katrin Kiefer | 30. November 2009

Am 26. November fand in Hannover zum zweiten Mal das ConventionCamp zur “Zukunft des Internets” als Mischung zwischen klassischer Konferenz und Barcamp (“Unkonferenz”) statt. Gemeinsam mit Matthias Metze und Sebastian Schmitt habe ich eine Session zum Thema “NGOs im Social Web – Einsatz und Potenziale” gehalten. Statt einem Powerpoint-Präsentationsmarathon gingen wir aber nach einer kurzen Vorstellung meiner empirischen Untersuchung schnell in eine lebhafte Diskussion zu den Chancen und Risiken von Social Media für gemeinnützige Organisationen über.

ConventionCamp 2009 (Foto: w3design)

ConventionCamp 2009 (Foto: w3design)

Immer wieder tauchen dabei in den Gesprächen dieselben Fragen auf: Woher soll man die Zeit für Social Media nehmen? Welche Inhalte darf/kann man als Organisation ins Netz stellen? Oder: Was ist, wenn Fehler passieren und negative Kritik geäußert wird?

Es sind die Fragen, die sich auch klassische Unternehmen stellen und auf die Tapio Liller vor kurzem bereits sehr hilfreiche Antworten zusammengestellt hat. Zunächst, und das haben auch die Teilnehmer der Diskussion bekräftigt, ergeben sich für gemeinnützige Organisationen insbesondere neue Möglichkeiten zur Transparenz, Offenheit und Emotionalität. Auf die Frage, was beispielsweise kommuniziert werden kann, passen neben klassischen Informations- und Kampagnenberichten auch Alltagshandlungen wie “Trinken gerade fair gehandelten Kaffee.”, denn auch hierüber können Organisationen Verantwortungsbewusstsein und ökologisches Handeln ausdrücken. Daneben können NGOs ihre Stakeholder über soziale Medien an ihrer Arbeitsweise und den zahlreichen Projekten teilhaben lassen, sie einbinden und emotional ansprechen. Schließlich können und dürfen gemeinnützige Organisationen im Umgang mit dem Social Web auch Fehler machen. Social Media und alle damit verbundenden Webdienste sind für viele Neuland und müssen kontinuierlich erprobt werden. Zwar ist es ratsam, vor dem Engagement konkrete Ziele und Kommunikationsstrategien festzulegen, doch zählt vor allem die Freude am Umgang mit den verschiedenen Dialogmöglichkeiten.

Dirk Rockendorf (Foto: w3design)

Dirk Rockendorf (Foto: w3design)

Wie solch ein Lernprozess innerhalb einer Organisation konkret aussehen kann, beschrieb Dirk Rockendorf von der Continental AG in der Abschluss-Keynote “Erfahrungen im Social Media Marketing aus Unternehmensperspektive”. Angefangen mit der Frage “Möchten Sie mit einem Reifen befreundet sein?” zeigte er den Weg von einer zunächst separaten Community hin zu einem in verschiedensten Social Media Kanälen vernetzten Plattform. Sehr schön fand ich seine Hinweise zum Eigenleben von sozialen Medien, die man nicht oft genug wiederholen kann: Klassische PR funktioniert im Social Web nicht. Twitter, Facebook und Co. haben ihre eigenen Gesetze. Und der von vielen – auch gemeinnützigen Organisationen – befürchtete Kontrollverlust lässt sich nicht vermeiden, egal ob man aktiv oder passiv im Netz unterwegs ist. Rockendorf schließt seine Keynote mit dem Fazit, dass es mittlerweile nicht mehr um die Frage geht, ob man Social Media nutzt, sondern lediglich, wie die Strategie aussieht.

Für mich ging damit eine rundum gelungene (Un-)Konferenz zu Ende, auf deren Fortsetzung im nächsten Jahr ich bereits jetzt gespannt bin. Und als sei es nicht genügend Input gewesen, ging es am Abend weiter zum Treffen der Socialbar Hannover mit einem sehr interessanten Vortrag zur Arbeit von Amnesty International.

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Emotionalität, Netzwerke, NGO, Social Media, Transparenz, Zeitaufwand
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Socialbar Frankfurt – die Dritte

Katrin Kiefer | 24. November 2009

logo socialbar Vor wenigen Tagen fand zum dritten Mal die Socialbar Frankfurt statt. In kleiner, aber feiner Runde diskutierten wir die Potenziale von Social Media für gemeinnützige Projekte. Besonders gefreut habe ich mich über die Teilnahme von World Vision und Naturefund. Nach einer lockeren Begrüßungsrunde startete ich eine kurze Präsentation mit ausgewählten Ergebnissen meiner Studie “NGOs im Social Web”.

NGOs im Social Web

Bereits nach kurzer Zeit vertieften wir unser Gespräch auf die Stärken und Schwächen des Mikroblogging-Dienstes Twitter für NGOs. Insbesondere beschäftigte uns die Frage, wie viel Aufmerksamkeit man für das Medium einplanen sollte oder was die Stärken des Mediums ausmachen. Christian Kreutz vom Blog crisscrossed betonte, dass NGOs den Blick weg von einzelnen Tools bzw. Werkzeugen hin zum Nutzen der Medien richten sollten. So liegen die Stärken vor allem in der Echtzeitkommunikation, in der persönlichen und direkten  Erreichbarkeit einzelner Stakeholder und der Mobilisierung von Menschen innerhalb kürzester Zeit, wie Kampagnen (beispielsweise das Twestival) immer wieder aufs Neue beweisen. Twitter hat aufgrund seines Netzwerkcharakters das Potenzial für soziale Veränderungen.

Der anschließende Vortrag von Katja Wiese, Naturefund, knüpfte an die Diskussion an und stellte die Paradigmen für eine Kommunikation im Social Web heraus. Die gemeinnützige Organisation, die sich gemeinsam mit Partnern weltweit für den Erhalt und den Schutz von Lebensräumen einsetzt, zielt in ihrer täglichen Arbeit auf die Kommunikation in Netzwerken, das Teilen von Wissen oder die Transparenz von Informationen. Sie folgen dem Credo eines gemeinsamen “Unsers”, das zum Beispiel auch eine Antwort auf die Frage der 12. NPO-Blogparade sein kann, in der es um die internen Herausforderungen für gemeinnützige Organisationen im Hinblick auf einen erfolgreichen Social Media Einsatz geht.

Neben all den positiven Seiten des Social Web rückten auch die Risiken in den Blickpunkt der Betrachtung. So berichtete World Vision von den Datenschutzschwierigkeiten, wenn beispielsweise auf Facebook Paten Fotos und Ortsinformationen ihrer Patenkinder veröffentlichen und damit eine Lokalisierung und Identifizierung der Leistungsempfänger möglich ist. Hier müssen trotz Netzwerken und offener, transparenter Kommunikation bindende Verhaltensregeln gefunden werden, um die Persönlichkeitsrechte Einzelner nicht zu verletzten.

Die dritte Frankfurter Socialbar endete mit der Erkenntnis, dass trotz der vielfältigen Chancen des Social Web das persönliche Face-to-face Gespräch nicht ersetzt werden kann und eine ganze andere Art der Kommunikation ermöglicht. Aus diesem Grund wird es auch im kommenden Jahr wieder eine Socialbar geben. Interessenten für die nächste Veranstaltung können sich ins Wiki eintragen.

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Socialbar Frankfurt – die Zweite

Katrin Kiefer | 25. Juli 2009

logo socialbar

Am 22. Juli fand in Frankfurt die zweite Socialbar statt, die ich gemeinsam mit Christian Kreutz organisiere. Dahinter steckt die Idee, dass sich Web-Aktivisten, NGOs, ehrenamtliche Helfer und Weltverbesserer gemeinsam treffen, kennen lernen, ihre Erfahrungen austauschen und Kooperationen schließen.
Diesmal fand das Treffen bei dem gemeinnützigen Spendenportal Helpedia statt. Über den Dächern Frankfurts im Uni-Turm versammelten sich 15 Teilnehmer, die teilweise sogar aus Bonn angereist waren. Besonders spannend fand ich die Teilnahme von Mitarbeiterinnen der Welthungerhilfe und Christoffel-Blindenmission.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde starteten Thomas Stolze und Achim Ritzmann mit einem kurzen Vortrag über Helpedia,  verschiedene Spendenmöglichkeiten und auch Herausforderungen des Startups. Zusätzlich berichteten sie von ihren derzeitigen Plänen zur Umsetzung von so genannten “White Labels”. Diese sollen gemeinnützigen Organisationen ermöglichen, eigene Spenden- und Ehrenamtsportale mit Unterstützung von Helpedia aufzubauen. Ein erstes Pilotprojekt wurde gemeinsam mit der Tageszeitung taz umgesetzt.
Für mich stellt sich dabei die generelle Frage, inwiefern gemeinnützige Organisationen eigene soziale Netzwerke aufbauen oder auf etablierte Netzwerke wie Facebook, MySpace, XING und LinkedIn zurückgreifen sollten. Die Broschüre Social Networks for Nonprofits. Why You Should Grow Your Own von Common Knowledge fasst die Gründe für die Errichtung eigener Communites zusammen, u.a. individuelle Community-Gestaltung, hauseigenes Fundraising und Netzwerken, Zugriff auf alle Daten und schließlich Kontrolle. So haben in jüngster Zeit mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen in Deutschland ihre eigene Community gegründet: Der WWF startete im April seine WWF Jugend Community, das Deutsche Rote Kreuz zum 150 Jährigen Jubiläum der Organisation im Juni das Netzwerk Blutspender und Greenpeace wird demnächst offiziell ihre Plattform GreenAction eröffnen, die seit Juli als offene Beta-Version genutzt werden kann. Neben dem hohen technischen Betreuungsaufwand und den intensiven Kosten der Konzeption solcher Netzwerke ist unklar, inwiefern Internetnutzer bereit sind, sich auf unzähligen Netzwerken anzumelden und zu engagieren.

Im Anschluss berichtete Christian Kreutz über politischen Aktivismus in Afrika. Insbesondere über Mobiltelefone können dort die Sorgen und Probleme der Bevölkerung unter ihrer Teilhabe authentisch und transparent vermittelt werden. Neue Gegenöffentlichkeiten entstehen zusätzlich auch über Facebook, wo sich tausende Menschen für Kampagnen und Proteste vernetzen. Den kompletten Vortrag und die Präsentation hat Christian Kreutz in seinem Blog veröffentlicht.

Schließlich möchte ich allen Interessierten noch einen Terminhinweis geben: Am 3. und 4. Oktober 2009 findet in Berlin das zweite Socialcamp statt, aus dem die Idee der Socialbar entstanden ist. Die Anmeldung für das Barcamp wird voraussichtlich im August möglich sein. Schnelles Handeln ist empfohlen, da dieses Jahr weitaus mehr Teilnehmer erwartet werden.

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